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May 13, 2026 • 13 min read

KI ist keine Bedrohung für die Zukunft der Internen Revision, sondern ein Motor für Weiterentwicklung und Innovation

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Richard Chambers

Internal Audit Month – ein Monat, in dem alljährlich auf die wichtige Rolle der Internen Revision in Unternehmen aufmerksam gemacht wird. Wir selbst gestalten und definieren diese Rolle. Wenn wir es nicht tun, werden es andere übernehmen – Kräfte von außen.

Das Zeitalter der KI bietet Anlass, darüber nachzudenken, wer wir heute sind und wer wir in Zukunft sein wollen. Mehr noch: Eine solche Selbstbefragung ist heute wichtiger denn je. Erfreulicherweise beginnen die Leiter der Internen Revision (LDA) zunehmend, eine Zukunft zu erkennen und zu planen, in die Interne Revision nicht einfach nur mit KI koexistiert, sondern sie gezielt nutzt, um ihren Wertbeitrag zu steigern.

Oft greife ich auf Erkenntnisse aus Umfragedaten zurück – auf Signale, die wir beachten sollten, und auf Bereiche, in denen wir uns verbessern können.. Die Ergebnisse einer aktuellen Optro-Umfrage geben Anlass zur Zuversicht: Sie deuten darauf hin, dass die Leiter der Internen Revision die Auswirkungen der KI zunehmend besser verstehen, da ihr Nutzen und Mehrwert immer deutlicher zutage treten. Ihre Antworten lassen darauf schließen, dass KI der Internen Revision den notwendigen Freiraum verschafft, damit Interne Revisoren auf einer höheren, strategischeren Ebene tätig werden können. Dieses Ziel verfolgt unser Berufsstand schon seit Langem.

Die Interne Revision hat im Bereich der KI bedeutende Fortschritte erzielt. Im diesjährigen Internal Audit Month sollten wir die gewonnenen Erkenntnisse nun nutzen, um die laufende Weiterentwicklung unseres Berufsstands aktiv voranzutreiben.

Auswirkungen auf die Rolle: Der Mehrwert von KI wird zunehmend sichtbar

Laut einer Optro-Umfrage1 vom April 2026 erkennen viele Interne Revisionsteams bereits einen messbaren Nutzen aus ihren KI-Investitionen oder erwarten diesen in naher Zukunft. Ein Blick darauf, wie die Teams investieren und wo sich die Vorteile zeigen, offenbart drei wesentliche Erkenntnisse:

  • Die größten Fortschritte erzielen die Teams in der Prüfungsplanung und bei der Feldarbeit. Fast die Hälfte der Teams (46 %) verzeichnet oder erwartet erhebliche Effizienzgewinne beim Testen und Überwachen interner Kontrollen und 35 % berichten von Effizienzsteigerungen bei der Prüfungsplanung und der Risikobewertung. Einige Teams (6 %) erzielen Effizienzvorteile bei der Betrugserkennung.
  • Auch wenn viele Teams den konkreten Nutzen ihrer Zeit- und Ressourceninvestitionen noch nicht in vollem Umfang sehen,, gehen die meisten davon aus, dass sich der erwartete Mehrwert bald zeigen wird. Zwar geben derzeit nur 15 % an, mit KI bereits einen messbaren ROI zu erzielen, doch viele Teams rechnen innerhalb der nächsten 12 Monate (21 %) oder 24 Monate (23 %) damit. Weitere 12 % gehen davon aus, dass sich ihre Investitionen in zwei bis drei Jahren auszahlen werden.
  • Steigende Investitionen in KI sind ein wichtiger Faktor für die Realisierung eines höheren ROI. Erfreulicherweise rechnet die Mehrheit der Teams damit, die Investitionen in KI-Tools und andere Software in den kommenden zwei bis drei Jahren zu erhöhen. Konkret erwarten 48 % einen Anstieg um 10 bis 19 %, weitere 20 % sogar einen Anstieg um mindestens 20 %.

Auswirkungen auf die Personalstrukturen: Vorsichtiger Optimismus bei den LDA

Diese ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die meisten LDA optimistisch, zugleich aber realistisch einschätzen, wie sich KI auf die personelle Zusammensetzung der Internen Revision auswirken wird:

  • Sie erwarten stärker qualifizierte Teams, die weniger repetitive und geringwertige Tätigkeiten übernehmen. Dadurch werden Kapazitäten frei, um sich auf kritischere Risiken zu konzentrieren und die Abhängigkeit von externen Ressourcen zu verringern. Auf die Frage, in welchen Bereichen sie den größten Einfluss der KI auf die Zusammensetzung ihrer Teams erwarten, gaben 51 % an, dass sie mit einem Rückgang der Stellen im Bereich der Transaktions- und Datenverarbeitung rechnen. 40 % gehen davon aus, dass sich die Personaleinstellung stärker auf höher qualifizierte Profile verlagern wird, und 32 % prognostizieren eine geringere Abhängigkeit von Auftragnehmern oder ausgelagerten Tätigkeiten.
  • Sie gehen davon aus, dass Berufseinsteiger auch künftig eine wichtige Rolle spielen und einen wertvollen Beitrag leisten werden. Nur 14 % erwarten, dass ein Wegfall von Einstiegspositionen erhebliche Auswirkungen auf ihre Teams haben wird. Ob diese Sichtweise realistisch ist, wird sich zeigen. Dieser vorsichtige Optimismus ist jedoch beachtenswert.
  • Mit Blick auf die kommenden drei Jahre erwarten sie keine nennenswerten Auswirkungen durch KI auf die Teamgröße. Eine deutliche Mehrheit geht davon aus, dass die Mitarbeiterzahlen entweder unverändert bleiben (53 %) oder leicht zurückgehen werden (29 %). 14 % rechnen jedoch damit, dass KI den Bedarf an stärker spezialisierten Fachkräften erhöhen und dadurch die Mitarbeiterzahl steigen wird.

Auswirkungen auf die Teamentwicklung: So bleiben Teams auch in Zukunft relevant

Auch wenn die Auswirkungen der KI auf ROI und Personalbedarf noch nicht vollständig absehbar sind, liegen drei Schlussfolgerungen auf der Hand:

  • KI wird menschliche Kompetenzen ergänzen und die Effizienz durch die Automatisierung repetitiver Aufgaben steigern. So wird KI beispielsweise zunehmend einen Großteil der Analysearbeit im Bereich Assurance übernehmen, etwa bei der Prüfung von Transaktionen, beim Erkennen von Anomalien und der Überwachung von Kontrollen. Zudem wird KI Teams bei der Erstellung von Kommunikations- und Planungsdokumenten, bei der Prüfung von Berichten und bei anderen administrativen Aufgaben unterstützen.
  • Die gewonnene Zeit schafft Raum für wertschöpfende Aufgaben und eine bessere Abstimmung mit den Stakeholdern. Interne Revisoren können mehr Zeit für Risikobewertungen, strategische Entscheidungsprozesse sowie Prüfungs- oder Beratungsleistungen aufwenden, die sich auf die Risiken konzentrieren, die für die Stakeholder tatsächlich relevant sind. KI ermöglicht dabei einen Wandel von einer rein auf den Werterhalt ausgerichteten Funktion hin zu unserer Rolle als zuverlässige Berater.
  • Die gewonnene KI-Expertise wird weitere wichtige Chancen zur Wertschöpfung im Bereich KI-Governance eröffnen. Die Interne Revision wird eine zentrale Rolle dabei spielen, Unternehmen dabei zu unterstützen, die wachsende Kluft zwischen der beschleunigten Einführung von KI, einer effektiven KI-Aufsicht und einem wirksamen Risikomanagement zu schließen.

Natürlich wird dieser Wandel nicht von selbst geschehen. Vielmehr müssen LDA die Weiterentwicklung und -qualifizierung ihrer Teams aktiv vorantreiben. Die meisten LDA scheinen zuversichtlich zu sein, dass ihre Mitarbeiter die notwendigen Kompetenzen erwerben können. In der Optro-Umfrage vom April erklärten 32 % der befragten LDA, dass sich KI bislang nicht auf die Personalstärke ausgewirkt habe. 61 % gaben an, den Fokus eher auf die Weiterqualifizierung bestehender Mitarbeiter als auf Personalabbau oder -aufbau zu richten.

LDA erkennen auch zunehmend, wie wichtig es ist, ihre Teams dabei zu unterstützen, jene menschlichen Stärken auszubauen, die sich nicht durch KI ersetzen lassen. Als Optro im Rahmen der Umfrage Focus on the Future 2026 Interne Revisionsleiter nach diesen Kompetenzen fragte, wurden vor allem professionelle Skepsis und Neugier, Beziehungsaufbau und Kommunikation, ethisches Urteilsvermögen, kritisches Denken sowie intellektuelle Wissbegierde genannt. Die Umfrage Future of Jobs 2025 des Weltwirtschaftsforums untermauert diesen Trend. Analytisches Denken, technologische Kompetenz, Resilienz, Flexibilität und Agilität, kreatives Denken sowie Führungsqualitäten und sozialer Einfluss wurden hier als Fähigkeiten identifiziert, die branchenübergreifend zunehmend gefragt sind.

KI als Kernstück jeder Strategie zu etablieren, sichert die Zukunft der Internen Revision

Es ist offensichtlich, dass die Interne Revision Unterstützung benötigt, um sich die Kompetenzen anzueignen, die für einen effektiven Umgang mit KI erforderlich sind. Zugleich ist es positiv, dass LDA über die Effizienzsteigerungen durch KI hinausblicken und das Potenzial von KI nutzen wollen, um die Rolle und den Wertbeitrag der Internen Revision neu zu definieren.

Die Zukunft der Internen Revision im Zeitalter der KI liegt in der bewussten Weiterentwicklung hin zu strategischen Beratern, kritischen Analysten und kompetenten Bewertern der durch KI generierten Erkenntnisse. Dabei gilt:

  • Jeder Interne Revisor sollte seine Karrierestrategie überdenken – mit Blick auf die KI. Entwickeln Sie KI-Kompetenzen, bauen Sie gleichzeitig Ihre menschlichen Stärken aus, die Ihren besonderen Mehrwert ausmachen, und heben Sie diese hervor. Halten Sie sich über die technologischen Trends auf dem Laufenden, die Ihr Unternehmen, Ihre Branche und Ihren Berufsstand verändern. Stimmen Sie sich enger mit den Risiko- und Governance-Funktionen Ihres Unternehmens ab. Seien Sie vor allem bereit, sich anzupassen und Ihre Fähigkeiten neu auszurichten, um auch künftig erfolgreich zu sein.
  • LDA sollten KI in den Mittelpunkt jeder Strategie stellen. Auch hier gilt: Dieser Wandel wird nicht ohne die gezielten Bemühungen der LDA gelingen. Sie müssen die Entwicklung der menschlichen Stärken und der KI-Kompetenzen ihrer Teams aktiv fördern – einschließlich der Fähigkeit, andere Teams hinsichtlich der KI-Nutzung und -Governance zu beraten. Das bedeutet, dass Bereiche wie Talentförderung, Personalbeschaffung und Mitarbeiterbindung neu ausgerichtet werden müssen, um diese Kompetenzen aufzubauen, weiterzuentwickeln und langfristig zu sichern. Ebenso wichtig sind strategische Pläne, die den entscheidenden Beitrag der KI für den zukünftigen Wertbeitrag und die Relevanz der Internen Revision anerkennen.

Wir können unsere Unternehmen dabei unterstützen, sich anzupassen und in einer sich wandelnden Welt resilient zu bleiben. Doch der Wandel beginnt bei uns selbst. Im Internal Audit Month gilt: Lassen Sie sich nicht von der KI verunsichern, sondern sehen Sie sie als Chance. KI ist der Schlüssel für nachhaltige Wertschöpfung und Relevanz.

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1 Die Umfrage „Internal Audit Budget Pressures“ wurde vom 2. bis zum 9. April 2026 durchgeführt und richtete sich an Fachkräfte aus der Internen Revision. Ziel war es, Erkenntnisse über Budgettrends, Entwicklungen im Personalbereich und die Auswirkungen von KI auf die Interne Revision zu gewinnen.

About the authors

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Richard Chambers, CIA, CRMA, CFE, CGAP, is the CEO of Richard F. Chambers & Associates, a global advisory firm for internal audit professionals, and also serves as Senior Advisor, Risk and Audit at Optro. Previously, he served for over a decade as the president and CEO of The Institute of Internal Auditors (IIA). Connect with Richard on LinkedIn.

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